Ein jeder ein Bundestrainer – jetzt auch für Social Media

Die Twitter-Accounts des DuMont-Konzerns haben stark unterschiedlich viele Follower. Unabhängig davon, ob es sich um Abo- (blau) oder Boulevard-Titel (rot) handelt.

Ich habe mich gefragt, woran das liegt und verfolge hier fürs erste drei naheliegende Ideen:

  • - das Alter der Accounts
  • - die Reichweite der Webportale hinter den Twitter-Accounts
  • - die Anzahl der Tweets
  • - die getwitterten Themen

Alter der Accounts

Der älteste Account wurde laut howlonghaveyoubeentweeting.com im April 2008, der jüngste im März 2010 eingerichtet. Die Accounts sind also 34 – 57 Monate alt. Die Hamburger Morgenpost war früh dabei und hat ihren zeitlichen Vorsprung genutzt. Die Mitteldeutsche Zeitung dagegen twittert zwar fast genauso lange, kommt aber nur auf ein Zehntel der Follower.

Das durchschnittliche Wachstum der Follower-Zahlen pro Monat zeigt: Die Mopo liegt hier deutlich vorne. Frankfurter Rundschau und Express führen weit abgeschlagen das Feld der Verfolger an.

Reichweite der Portale

Die Anzahl der Follower hängt nicht direkt mit der Reichweite der Portale zusammen. Obwohl die “Hamburger Morgenpost” mit ihren über 6 Millionenen Visits im Monat ein ordentliches Potential für Follower hat, müsste der Express mit über 12 Millionen Visits im Monat einen deutlichen Vorteil haben.

Wenn man die Follower ins Verhältnis zur Reichweite setzt, zeigt sich: Der Express kann die Reichweite seiner Website nicht in Follower umsetzen. Mopo, FR und Berliner Zeitung machen das offensichtlich sehr geschickt.

Anzahl der Tweets

Die meisten Tweets haben Mitteldeutsche Zeitung und Frankfurter Rundschau abgesetzt. Zu vermuten ist, dass hier RSS-Feeds automatisiert in Tweets umgesetzt wurden oder werden.

Die reine Masse der Tweets führt nicht zum Erfolg. FR und MZ konnten die automatisierten Tweets nicht zur Follower-Gewinnung ausnutzen wie das Verhältnis zwischen der Anzahl der abgesetzten Tweets und der gewonnenen Follower zeigt.

Themen

Und jetzt kommen wir zum eigentlichen Grund dieses Posts. Ich habe ein neues Spielzeug entdeckt: http://app.socialtopicgraph.com – ein Tool, mit dem man die Themen eines Twitter-Accounts graphisch darstellen lassen kann.

Abotitel

Die Frankfurter Rundschau setzt demnach auf internationale und europapolitische Inhalte, arbeitet mit Agenturmeldungen der dpa und gewichtet News aus Frankfurt und Berlin gleich.


Die Berliner Zeitung überrascht mit einem auf den ersten Blick sehr ausgewogenen Themenmix. Natürlich betreffen die Schlagworte nahezu komplett berlin-brandenburger Nachrichten. Trotz ihres jungen Accounts ist die Berliner Zeitung damit auf Platz 2 der Abotitel vorgestoßen.


Der Kölner Stadtanzeiger setzt stark auf Agenturmeldungen der dpa sowie AFP. Daneben spielen Kölner Nachrichten eine große Rolle. Zu vermuten ist, dass der Account erfolgreicher sein könnte, wenn auf exklusive Informationen gesetzt würde.


Die Mitteldeutsche Zeitung setzt mit Euro und USA erstaunlich stark auf überregionale Themen. Zweites Standbein: Die Berichterstattung aus Sachsen und Sachsen-Anhalt.

Boulevard

Als erfolgreichster Twitter-Account der Gruppe setzt die Hamburger Morgenpost auf Hamburger Themen und nennt das Schlagwort “Hamburg” auch. Sportmeldungen zum HSV sowie Polizei-Nachrichten bilden Schwerpunkte. Auf Agenturmeldungen wird offenbar verzichtet.


Ebenso stark wie bei der Mopo Hamburg steht für den Express Köln im Vordergrund – 1. FC Köln, Fußball und Eishockey stehen im Fokus. In Gegensatz zur Mopo werden aber scheinbar keine oder nur wenige Polizei-Meldungen getwittert.


Der Account des Berliner Kuriers twittert Berliner News und News zu Hertha BSC. Offenbar kommen hier aber auch Agenturmeldungen zum tragen. Auch hier fallen wie beim Express und im Gegensatz zur Mopo keine Polizeimeldungen auf.

Lessons learned

Ich würde aus dem Datenmaterial folgende Schlüsse ziehen:

  • - Auf exklusive Inhalte setzen, keine Agenturmeldungen twittern.
  • - Auf regionale und lokale Meldungen setzen.
  • - Auf automatisierte Tweets verzichten.
  • - Polizeimeldungen nutzen.

Abgrenzung

Ob das Wachstum der Follower organisch und permanent ist, oder ob außergewöhnliche nachrichtliche Ereignisse oder Werbe-Aktionen genutzt wurden, konnte ich noch nicht herausfinden.
Auch die Internetabdeckung der Kernverbreitungsgebiete, demografische Effekte und die Konkurrenz durch andere Nachrichten-Accounts werden hier nicht beleuchtet.
Natürlich spielt auch die Ansprache der Follower eine Rolle für den Erfolg des Accounts, was hier ebenfalls nicht untersucht wurde.
Es wurde zudem pro Titel nur ein Twitter-Account vewrwendet, die Titel betreiben weitere themenspezifische und regionale Accounts.

5 Gedanken zu „Ein jeder ein Bundestrainer – jetzt auch für Social Media

  1. Hallo Isabell,

    sehr gute Auswertung, die unsere Twitter-Schwachstellen bei der MZ zwar nicht erklärt, aber zumindest offenlegt. Danke.

    Einige Anmerkungen dennoch:

    Wie du zu Recht bemerkst, mussten viele Faktoren unberücksichtigt bleiben. Dazu zählen neben den von dir genannten auch die regionale Verteilung von Twitter in Deutschland (Sachsen-Anhalt gehört da zu den Schlusslichtern), die Wirkung urbaner Ballungsräume (wir bespielen ein halbes, eher ländlich geprägtes Flächenland und haben eben kein Social Media-Kraftzentrum, wie es Berlin, Frankfurt oder Hamburg sind; hier kommt auch die stärkere Fragmentierung, Disparatheit unserer Themen ins Spiel) sowie – nicht lachen – in Halle das Fehlen eines Klubs aus der 1. oder 2. Fußballbundesliga.

    Weiter: Bei uns spielen natürlich die lokalen Accounts eine viel größere Rolle als bei den anderen Titeln. Da dürften locker weitere 2.500 bis 3.500 Follower dazu kommen.

    Und: Die Daten des Tools sind m.E. mit einiger Vorsicht zu genießen. Dass Dessau und Aschersleben derzeit Halle schlagen, kann ich mir real kaum vorstellen. Ich habe (anderes Beispiel) persönlich noch nie zum Thema Karaoke getwittert – der Begriff ist aber der drittwichtigste in meiner Auswertung. Auch spiele ich via Twitter Landlord, twittere aber so gut wie nie aus der App heraus. Dennoch ist der Begriff bei mir der häufigste. Meine Vermutung: Hier werden Daten über die Api geschleift, die im Twitterstrom gar nicht auftauchen?

    Auch wäre es, by the way, interessant zu wissen, gegen welche Datenbank die Begriffe abgefragt und dann interpretiert werden. So wird bspw. die Mulde als Fluss erkannt und das Kürzel DPA richtig als Deutsche Presse-Agentur übersetzt.

    Wie gesagt: Das soll alles keine Rechtfertigung für unsere tatsächlich dürftigen Zahlen sein, nur ein Hinweis auf graduelle Unterschiede.

    Liebe Grüße
    Gero

    P.S.: Bei uns gibt es keine automatisierten Tweets :-)

  2. Hallo Gero,

    die Sache mit der Verbreitung von Twitter habe ich mit Internetabdeckung und demographische Faktoren gemeint. Natürlich hast du recht, dass man die MZ da nicht ohne weiteres mit den anderen Titeln vergleichen kann.
    Unkritischer wäre es gewesen, wenn ich ein Facebook-Statistik-Tool zum Spielen gefunden hätte. ;)

    Auch total nachvollziehbar, dass bei euch die regionalen Twitter-Accounts besonders ins Gewicht fallen. Ist ja logisch, dass ihr die Zielgruppen damit besonders gut erreicht.

    Sorry, wegen der automatisiserten Tweets. Das war ja mal eine zeitlang sehr verbreitet. Von daher fand ich die Vermutung – zumindest auf die Vergangenheit bezogen – naheliegend.

    Interessantes Feedback zur Datenqualität des Tools. Ich versuche mal weitere Details dazu zu recherchieren.

    Dem Halleschen FC (?) die Daumen drückend,

    Isabell

    PS: Ich find eure Guten-Morgen- und Gute-Nacht-Tweets mit den Zitaten total charmant!

  3. Hallo Isabell,

    HFC = Hallescher FC :-)

    Bitte nie als Adjektiv bzw. Attribut “hallenser” verwenden – denn Hallenser sind die Einwohner der Stadt!

    Liebe Grüße
    Gero

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